



Regen und Moskitos – klingt nicht gerade nach einem Geburtstagsgeschenk. Trotzdem war es ein recht guter Tag. Nach dem gestrigen Abend war es ohnehin schwierig, das direkt zu toppen.
Der Tag begann mit einem traditionellen japanischen Frühstück. Laut Übersetzungs-App „von der Großmutter zubereitet“ – und tatsächlich stand da eine ältere Dame mit weißem Kopftuch und bereitete liebevoll kleine Frühstückshäppchen zu. Dazu gab es Reis und Tee. Unsere Rucksäcke standen schon gepackt im Zimmer und warteten nur darauf, wieder aufgezogen zu werden. Die Schultern vom Vortag spürten wir noch deutlich, aber daran muss sich der Körper wohl erst gewöhnen.
Unser Ziel für heute war ein kleiner Park weit außerhalb von Kanoya. Ursprünglich wollten wir durchs Gebirge, aber irgendwie fehlt uns noch das Vertrauen in die „Wanderwege“ hier und das Wetter schrie auch nicht nach Berge… also ging es gemütlich los, bei angenehm windigen Temperaturen – meist einfach geradeaus. Und wirklich: einfach geradeaus.
Was wir zuerst für endlose Vorstadt hielten, entpuppte sich bald als landwirtschaftliches Gebiet mit zahlreichen Zuchtbetrieben. Auch wahrscheinlich Tee wurde hier in großen Mengen angebaut. Die Zustände in manchen dieser Betriebe wirkten nicht gerade rosig – da wünscht man sich fast, es wäre einfacher, hier komplett vegetarisch zu essen. So lecker das Essen ist, irgendwie steckt doch überall ein bisschen Fleisch drin…
Trotzdem war die Freude groß: endlich weg von der Hauptstraße, keine Trottoirs mehr – nur noch Feldwege, soweit das Auge reicht. Leider hielt dieses Gefühl nicht allzu lange. Die Wege wurden zunehmend zugewachsen, bis wir schließlich doch wieder auf die Straße ausweichen mussten. Aber egal – es lief trotzdem gut.
Nach dem ewigen Geradeaus gab es immerhin mal eine Richtungsänderung: statt strikt nach Norden nun leicht nordostwärts. Zwischendurch machten wir einen kurzen Stopp an einem dieser Getränkeautomaten, die hier scheinbar einfach aus dem Nichts auftauchen. Nachdem wir gesehen hatten, dass sie regelmäßig aufgefüllt werden, wagten wir den Test: Für Marco gab es eine Melonenlimonade, für mich einen ziemlich süßen, aber leckeren Mango-Pfirsich-Eistee.
Irgendwann wechselte die Landschaft wieder, und wir tauchten in waldigeres Gebiet ein. Es ging hoch und runter, mal links, mal rechts – immer auf irgendwelchen Straßen. Dabei wurde ich ordentlich von Moskitos zerstochen. Der einsetzende Regen kam mir da fast wie eine Rettung vor – endlich ein Grund, die Regenjacke anzuziehen und zumindest etwas Schutz zu haben.
Nach einer kurzen Mittagspause wurde der Regen stärker – ab da hieß es: einfach weiterlaufen, egal wie nass man wird. Irgendwann landeten wir auf einer Straße, die auf der Karte gar nicht eingezeichnet war, während die eigentliche Route einfach… nicht existierte. Also folgten wir der unbekannten Straße und fragten uns schon, wo wir wohl rauskommen würden. Statt illegaler Gebäude fanden wir am Ende wieder Felder und ein verlassen wirkendes Haus.
Nach gefühlt ewiger Zeit ohne andere Menschen meinte Marco noch scherzhaft: „Stell dir vor, hier taucht jetzt so ein Lautsprecher-Auto auf…“ Keine fünf Minuten später passierte genau das. Mitten im Nirgendwo. Ein kurzer Austausch, dann fuhren sie weiter. Später fanden wir heraus: Das sind tatsächlich Wahlkampfwagen, die mit Lautsprechern ihre Botschaften verbreiten.
Zurück zur Navigation: Wir kamen schließlich ganz woanders raus als geplant und mussten uns wieder zurück zur Route kämpfen. Die war zwar alles andere als effizient, aber Alternativen gab es kaum. Also schlängelten wir uns durch die letzte Etappe, inzwischen ziemlich durchnässt, bis wir endlich den kleinen Park erreichten.
Keine Menschenseele weit und breit. Dafür jede Menge Frösche – und irgendwo in der Nähe auch Wildschweine, deshalb wuede das Essen vorsichtshalber höher deponiert. Der Park ist immerhin umzäunt, und das Tor lässt sich größtenteils schließen – beruhigend genug.
Zum Abendessen gab es wieder Nudeln mit Curry, diesmal mit ein paar Nüssen als Topping. Dank eines Unterstands konnten wir unsere Sachen halbwegs trocken ausbreiten – in der Hoffnung, dass niemand das Bedürfnis hat, etwas mitzunehmen.
Jetzt liegen wir im Zelt, während der Regen darauf prasselt, und lassen uns langsam in den Schlaf wiegen. Gute Nacht – und bis morgen.
Ps: die ersten 100km unserer Sata to soya Tour wurden heute gemeistern. 🙂
