









Auch die zweite Nacht war nicht wirklich erholsam – vermutlich wegen der erneut starken Windböen und definitiv auch, weil ich zu wenig getrunken habe. Naja, es kann nur besser werden.
Der Morgen dafür umso schöner: blauer Himmel, kaum Wind. Genau so stellt man sich das vor. Am liebsten wären wir einfach noch geblieben – aber wir wollten ja weiter. Also Rucksäcke packen und losmarschieren. Der Weg führte vorbei an Reisfeldern und einer ziemlich verlassen wirkenden Klinik. Die Hitze machte mir ordentlich zu schaffen, während Marco scheinbar keinerlei Probleme hatte.
Ein echtes Highlight gleich am Morgen: Wir sahen einen Tanuki über die Straße rennen. Für alle, die es nicht wissen – in der Pfadi heiße ich auch Tanuki. Irgendwie ein schöner Zufall. Außerdem haben wir inzwischen herausgefunden, was es mit den Sirenen auf sich hat: Sie dienen als tägliches Testsignal für Tsunami- und Erdbebenwarnungen und gleichzeitig auch als eine Art Zeitansage für die lokale Bevölkerung.
Die Straße blieb unser treuer Begleiter – leider auch die Hitze. Wirklich Schatten gab es kaum. Umso motivierter waren wir, als wir endlich ein Schild zum Kyushu Nature Trail entdeckten. Endlich richtige Wanderwege! Dachten wir zumindest… Der Pfad führte uns durch dichten Wald, über umgestürzte Bäume und unter tief hängenden Ästen hindurch – fast schon Dschungel-Feeling. Bis der Weg plötzlich bei einer Wasserfassung einfach aufhörte. Sackgasse.
Also wieder zurück. Auf dem Rückweg entdeckten wir zwar einen möglichen „richtigen“ Pfad, der jedoch durch Erosion praktisch unbegehbar war. Tja – zurück zur Straße.
Nach einer Pause war für mich der Tag eigentlich schon fast gelaufen. Ich hatte das Gefühl, keinen Tropfen Schweiß mehr übrig zu haben. Ein Schild mit „WC“ ließ kurz Hoffnung auf Wasser aufkommen – ein kleiner Energieschub. Doch die Ernüchterung folgte sofort: ein verlassener, ziemlich heruntergekommener Ort, kein Wasser, nur ein paar viecher und eine dicke Spinne in der Ecke. Also nichts wie weiter.
Eigentlich war der Plan, oben auf einem Grat zu bleiben und irgendwo wild zu campen. Doch das Wetter fühlte sich nicht wirklich danach an – und unser Wasservorrat wurde auch knapp. Also entschieden wir uns, wieder runter an die Küste zu gehen.
Und dann: plötzlich diese Aussicht. Innerhalb von Sekunden wurden wir mit einem unglaublichen Blick aufs Meer belohnt. Leider hielt die Euphorie nicht lange an – die Straße, die laut unser Übersetzungsapp ä seit 2025 wieder offen sein sollte, war wohl eher seit 2025 im Bau. Ein Erdrutsch hatte sie zerstört. Die Bauarbeiter vor Ort waren aber super hilfsbereit und zeigten uns einen Weg durch den Matsch – auch wenn sie meinten, wir bräuchten eigentlich Gummistiefel. Wahrscheinlich hatten sie recht… aber meine Schuhe waren sowieso längst nicht mehr weiß.
Unten angekommen ging es dann wieder der Straße entlang bis zu einem kleinen Park, wo man offiziell sein Zelt aufstellen darf. Genau richtig für heute.
Jetzt kochen wir Abendessen und genießen den Sonnenuntergang direkt am Strand. Ein versöhnlicher Abschluss für einen doch längeren Tag.
