Wenn man aufwacht und nicht so recht weiß, wie – und vor allem wo – der Tag enden wird, ist das ein seltsames Gefühl. Doch irgendwie waren wir guter Dinge. Spontan haben wir uns noch das riesige Frühstücksbuffet dazugebucht und erstmal ausgiebig gegessen.

Mit gepackten Rucksäcken sind wir dann aufgebrochen – zunächst zu einem kleineren Bahnhof, etwa 30 Minuten zu Fuß vom Hotel entfernt. Wie so oft in Japan lief alles erstaunlich unkompliziert, und wir konnten im Handumdrehen ein Ticket nach Yamagawa kaufen. Der Zug, ein etwas holpriger Dieselzug, brachte uns dann in rund 1,5 Stunden weiter Richtung Süden. Irgendwie erinnerte mich die Fahrt an „Chihiros Reise ins Zauberland“ – nur dass diesmal kein mysteriöses Wesen zugestiegen ist.






In der kleinen Hafenstadt angekommen, ging es erstmal etwa 20 Minuten zu Fuß weiter, bis wir die Fähre erreichten. Auch dort lief alles problemlos, und wir bekamen schnell zwei Tickets nach Minamiosumi. Die Überfahrt war leicht regnerisch, aber unglaublich gemütlich – fast schon entschleunigend.

Auf der anderen Seite angekommen, organisierten wir noch eine zusätzliche Wasserflasche für Marco und fragten im Hafenbüro nach dem Weg zum Kap Sata. Mit Übersetzungs-Apps ging es hin und her – und plötzlich stand einfach ein Taxi vor uns. Mit unserem Fährenticket bekamen wir sogar noch Rabatt, also nichts wie rein. Rund 50 Minuten fuhren wir mit einem sehr gesprächigen Taxifahrer, der sogar ein wenig Englisch sprach, bis zum Parkplatz beim Kap Sata. Für umgerechnet etwa 10 Franken – dank rund 30 Franken Rabatt – ein absoluter Glücksfall.
Und dann standen wir plötzlich da. Am südlichsten Punkt unserer Reise – Kap Sata. Vom Parkplatz aus ging es noch etwa 15 Minuten zu Fuß weiter, fast wie durch einen kleinen Vergnügungspark, bis zum Observation Deck. Ein krasses Gefühl. Kurz innehalten, die Aussicht genießen – und dann ging es auch schon los.



Rund 8 Kilometer liefen wir zu unserem ersten Campingplatz. Wie viele Campingplätze in Japan ist auch dieser kostenlos – im Grunde einfach eine Wiese mit flachem Gras, perfekt zum Zelten. Beim Aufstellen wurden wir direkt freundlich begrüßt: ein Koreaner, der seit drei Jahren mit seinem Van durch Europa und Asien reist. Auch er startet gerade sein „Kap Sata to Kap Soya“-Projekt. Obwohl es sogar Rennen auf dieser Strecke gibt, bei denen die Schnellsten in zwei Tagen ans Ziel kommen, lässt er sich drei Monate Zeit für Japan.
Zum Abendessen gab es Ramen. Der Wind wurde langsam stärker, und die ersten Moskitos ließen auch nicht lange auf sich warten. Aber trotzdem: ein richtig guter erster Wandertag. Und das Beste – morgen starten wir schon in Tag zwei unserer Durchquerung.
