Grüsst euch!
Oder wie auch immer man das so sagt hier!
Das Hostel war sehr gemütlich, leider viel zu warm! Deshalb stand ich auch schon um 7:00 uhr auf, packte alles zusammen und verabschiedete mich von meinen Zimmergenossen. Etwas ausserhalb von Füssen genoss ich die Resten meines gestrigen Mittagessen. Gestärkt ging es nun los!
Ohne gross Nachzudenken folgte ich wie immer der Route auf meinem Navi. Für etwas 3h ging es der deutschen Alpenstrasse entlang, bis ich wieder in eine etws ruhigere Gegend kam. Da traf ich auch auf zwei Wanderer, die sich sehr für meine Reise interessierten. Der Mann empfiehl mir den E5 zu machen, diesen habe er nämlich erst gerade absolviert.
Dann ging es los mir dem Aufstieg und gleich bei der ersten Verzeigung sagte mein Navi ich sollte den Wanderweg verlassen und die Strasse links nehmen. Trotzdem vertraute ich meinem Navi, schliesslich hat es bis jetzt auch immer Recht gehabt. Später kam dann plötzlich ein Sackgassedchild, aber der Weg sollte immer weiter gehen. Ich dachte wahrscheinlich wird die Strasse einfach nicht mehr für Autos zugänglich sein und deshalb als Sackgasse markiert. Ich lief also weiter… Die Strasse wurde, wie vermutet, so steinig und steil, dass nur noch knapp ein Traktor hier entlang fahren konnte. Trotzdem hatte ich ein mulmiges Gefühl und wollte ja auf keinen Menschen hier treffen. So kraxelte ich schnell den Weg hoch und traf dann zum Glück wieder auf ein Wanderwegschild. Doch dieses Glücksgefühl hielt nur kurz an, schon nach wenigen Metern hiess es links abbiegen und da führte kein Wanderweg durch. Trotzdem war es einen normale Strasse und ich dachte so falsch kanns ja nicht sein. Doch die Strasse wurde immer kleiner und verwucherter. Ich spielte jeden Schritt mit dem Gedanken umzukehren. Doch dies würde bedeuten , die bis jetzt bereits absolvierten 3h abzubrechen und von vorne beginnen. Sprich nochmals etwa 6h den Berg hinauf laufen.
Irgendwie wollte ich einfach nicht und schliesslich hat das Navi ja Recht, da ist ein Weg aber einfach kein sehr guter.
Weiter folgte ich also diesem Trampelpfad einem Bach entlang bis zu einer Wiese auf einer Lichtung. Da blieb ich wie angewurzelt stehen und starrte auf etwas, dass aus sah wie ein blutiges Stück Fleisch aufgespiest auf einem Ast.
Wie in einem Zeitraffer kamen mir plötzlich Bilder des Kartenausschnittes, indem ich mich gerade befand. „Jagdberg“ stand da doch…! Und auch „Naturschutzgebiet“ Mir wurde ganz mulmig und war wirklich drauf und dran alles zurück zu rennen. Doch es waren doch nur noch etwa 5min bis zur nächsten Kreuzung.
Einerseits befand ich mich auf einem unmarkierten Weg im Naturschutzgebiet, was folglich verboten war und andererseits war da immer noch dieses Ding, in einem Gebiet, wo vielleicht gejagt wird.
Als ich mich getraute doch etwas genauer hinzuschauen, schlussfolgerte ich, dass eine rote bereits abgebrannte Kerze sein könnte und deren Wachs den Ast herunter lief. Doch auch dies war mir viel zu unheimlich und wagte den weitermarsch.
Ja und das schlimmste meiner Erwartungen wurde wahr, der Weg verzweigte sich und nur einer wurde in meinem Navi angezeigt. Ich entschied mich also für den Linken, doch dieser schien falsch zu sein, denn nach wenigen Meter steckte ich in Knöchelhochem Schlamm und Spinnenparadies. Ich musste mich die ganze Zeit von irgendwelchen Viechern befreien. Meine letzte Hoffnung war, dass ich gleich auf diesen zweiten Weg treffe und dieser auch eine richtige Strasse war. Und da wie aus dem Nichts taucht ein Stapel Holzstämme auf und ich dachte mir, dass diese doch immer an grösseren Wegen standen, damit der Traktor oder was auch immer die gut abholen kann.
Glück für mich war es wirklich ein grösserer Kiesweg auf dem sogleich ein Biker vorbei kam. ZIVILISATION yesss!!!!!
Ich hatte mich noch nie so beobachtet gefühlt, wie in zu diesem Zeitpunkt. Doch auch dieses Gefühl wollte nicht enden, denn der Biker verschwand wie vom Erdboden und es wurde extrem still…
Ich hatte so ein unwohles Gefühl, dass ich mich entschied den Rest des Weges zu rennen bis ich wieder auf den eigentlichen E4 treffe. Zum Glück war dies nur ungefähr 5min bergabwärts. Und da..! MENSCHEN!!!!
Ich war schon lange nicht mehr so glücklich Menschen zu sehen, wie in diesem Moment. Ich strahlte bis zu den Ohrenläppchen und musste zuerst diesen Moment geniessen bevor es an den Aufstieg ging. Ich schaute auf das Wanderwegschild… noch 1h und 15 MINUTEN!!! Boah und ich war da schon fix und fertig. Zum Glück war es ein wunderschöner Weg und ich konnte an einem Alpsee miterleben, wie ein Fischer überglücklich seinen zweiten Fisch aus dem Wasser angelte.
Vorbei an einer charmanten Kapelle, wo ich meines Pechs entdeckte, das alle halbe Stunde ein Bus bis zum Kenzenhaus fährt…
Jaaa guut, kann man ja nicht wissen und laufen ist ja auch schön.
Aber in meinem Hinterkopf war immer noch das Gefühl, dass ich ein schlimmes Verbrechen verübte und mich die Förster bis zur Hütte zurückverfolgten. Und das Bild dieses Dings werde ich wahrscheinlich auch nicht mehr so schnell los. Zuerst dachte ich nämlich, die wollen damit den Bären anlocken und ich bin gerade in sein Jagdgebiet hinein getreten und werde jeden Moment aufgefressen… so im Stil „die Tribute von Panem“ oder eben „bei Aragog im verbotenen Wald“
Hoffentlich tauche ich nicht auf irgendwelchen Wildwechselkameras auf… 😀
Schlussendlich ging ja alles gut und ich konnte den Abend in der Hütte mit Postkartenmalen ausklingen lassen und sogar mein Zelt in der Trockenkamer aufhängen. Ich fragte mich dabei, wo wohl der andere Fernwanderer bleibt, denn bis zur nächsten Unterkunft, waren es nochmals 3h… Vielleicht hat er ja den Bus genommen oder ein Tag Pause eingelegt.
Man sieht sich!







