Grüss Gott!
Auch heute stand ich um 7:00 uhr auf und wollte fast nicht aus dem Zelt hinaus. Denn draussen da zog der Nebel vorbei… Das ganze Zelt war vom Tau durchnässt, sogar das Innenzelt war beschlagen… Ja trotzdem zog ich meine morgentliche Routine durch. Einpacken, Zelt abaueenn… ja so einfach war das nicht… Da ich es nicht komplett nass versorgen wollte, dachte ich vielleicht geht ja gleich die Sonne auf und es trocknet einwenig. Ich kochte mir also zuerst mein Porrige und pimpte dieses mit einwenig gefreiergetroknetem Früchtepulver auf. Dann hiess es Abwaschen und das Zelt abbauen. Aber dieses war immer noch gleich nass, wie vorhin. Also entschied ich mich das Zelt wieder von Innen nach Aussen abzubauen, so dass das Innenzelt nicht den ganzen Tau des Aussenzeltes abbekommt. Als alles im und am Rucksack war, schaute ich auf die Uhr… 9:00 Uhr!!!!! Um 45min war ich nun schon im Verzug! Es hiess also zack zack den Berg hinauf!
Da diese Gebiete hier sehr glaübisch sind, zieht sich täglich meine Strecke von Weidekreuz zu Weidekreuz und manchmal auch vorbei an kleinen Kapellen. Im schönen Jungholz durfte ich, dann ein besonders schönes Denkmal betrachten. Der heillige Christopherus von Hand in einen Baumstamm geschnitzt. Dazu die Innschrift: „Hl. Christophorus: Schutzpatron der Pilger und Reisenden, Baum symbolisiert die Schutzhülle, Äste die Wege des Lebens“ Ich kannte zwar die Geschichte vom Hl. Christopherus, wusste aber nicht, dass er der Schutzpatron ist. Zudem hängt ja ein Mosaik von ihm in der St. Markus Kirche. So errinerte dies mich an zu Hause und ich ging mit einem kleinen Lächeln weiter.
Die Wanderung war wunderschön! Von Jungholz ging es erstmals den Berg hinauf bis nach Langenschwand und dann nur noch stetig den Berg hinab zurück in das offene Tal. Ich folgte lange dem Flussverlauf des Vlies bis nach Ried. Etwas überfordert mit der ganzen Menschmasse da (es war gerade Alpviehschau und beinnahe alle liefen in ihren Trachten herum) hüpfte ich in den nächsten Laden un kaufte mir etwas für s Mittagessen und eine neue Seife, damit ich auch mal meine Haare waschen kann. Glücklicherweise gab es ein Kinderprinzessinnen 3 in 1 Duschmittel, Schampoo und Pflegespülung. So musste ich nich zwei Tuben kaufen! Und schliesslich als Prinzessin ist es ja wichtig immer schön sauber zu sein. 😀
Dann ging es weiter den Hügel rauf bis in den Wald hinter Ried. Da war es so still, (alle Kühe ohne Glocken oder an der Viehschau) dass ich mich gleich auf die nächste Bank sass und etwas Kleines ass. Vor mir standen noch etwa 2.5h Laufzeit. Dort lief ich etwa eine 1/2h durch das Finsteretal (der Weg hiess Finstertalweg). Da erinnerte ich mich gleich an einen Teil des berühmten Psalms 23: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mit, dein Stecken und Stab trösten mich.“ (Dies ist eines der wenigen Dinge, das mir aus dem Konfunterricht geblieben ist.) Auch wenn ich mich selber als nicht sehr gläubisch betrachte, war dies nun schon der zweite Moment am heutigen Tag, wo ich sagen musste, dass dies gut zu meiner Situation passt. Also ging es mit einem erneuten Lächeln in die letzte Etappe.
Als ich dann aus dem finsteren Tal hinaus trat, war ich überwältigt von dem Anblick der offenen Landschaft. Man sah zwar wenige Berge und insgeheim wusste ich auf irgendeiner dieser darf ich morgen hochgehen, aber links davon war eine weite und offene Landschaft.
Mit müden Beinen ging es dann ein letztes Mal talabwärts zum Weissensee. Und am wunderschönen See ging es etwa 1h dem Ufer entlang. Die letze halbe Stunde war dann zum kotzen hässlich, da diese hauptsächlich an der Autobahn und Indsutriegebiet entlang ging. Aber als mich ein vorbeifahrendes Polizeiauto gegrüsst hatte, fühlte ich mich irgendwie energiegeladen und meisterte es bis zur Jugendherberge.
Diese war leider komplett ausgebucht, also musste ich kurzer Hand ein neues Hostel finden und liess mich schliesslich im Old Kings Hostel nieder. (Funfact: In der Jugendherberge traff ich wieder auf den anderen Fernwanderer…) Mit ein paar weiteren weiblichen Gästen aus dem Zimmer hatte ich sehr lustige Gespräche und sie interessierten sich und bewunderten mich sehr für meine Wanderung. Sie würden nach knapp 2h ohne grosses Gepäck schon schlapp machen 🙂
Interessanterweise werde auch ich am häufigsten von Frauen zwischen 40-60 Jahren angesprochen. Bis jetzt haben nur ein paar Männer Bemerkungen, wie „woah dasch aber en grosse Rucksack“ gemacht.
Zum Abendessen gönnte ich mit im Italiener direkt gegenüber (Danke an die Frau aus dem Zimmer, die mir diesen Tipp gegeben hat) einen Teller Tagliatelle in Lachsrahmsauce und ein regionales Bier!
Völlig überwältigt von diesem wunderbaren Tag widmete ich mich der genaueren Planung der nächsten paar Tage und reservierte bereits ein Schlafplatz in der Kenzenhütte.
Bis in ein paar Tage (weiss nicht ob ich Empfang da oben habe!)



