Tag 3 – Grenzwertig?!

Nach einem erholsamen Schlaf hiess es „muksmüslistill“, alles in den Rucksack zu packen. Deshalb war ich ein wenig unachtsam und überprüfte nicht, ob auch wirklich alles dabei ist… arme Seife😢 –> habe keine Seife zum duschen…

Um 7:30 esse ich Frühstück mit selbstgemachter Marmelade und Birchermüsli. Leckkeeerrr!

Danach heisst es erstmals den Stutz zur Hochgratbahn hinauf. Perfekt um richtig warmzulaufen, doch wie schon der Tag zuvor war dies schon fast die letzten 45min, die Bergauf gingen. Danach hiess es 5h Talabwärts. Und vielleicht nochmals kurz 5min etwas bergauf.

Das Resulat… Jede Menge Blasen, obwohl ich versucht habe alles vorzubeugen…

Glücklicherweise bin ich dann auf einen anderen Fernwanderer getroffen (einer von denen aus der Hütte) mit dem ich die letzen Kilometer bis nach Sonthofen gemeistert hatte. Er hatte zum Glück auch Blasen an den Füssen und so waren wir beide nicht mehr auf Bestleistung. Mit weiterem Gesprächen über Erfahrungen in der Fernwanderbranche wurde eigentlich auch schon fast alles umsich vergessen.

Also eigentlich hat nur er geredet, aber ich fand es echt spannend, zu zuhören!

Auf dem ganzen Weg aber zuvor fragte ich mich, warum ich das eigentlich tue. Ich muss keinem etwas beweisen, ausser mir selbst. Schon fast blutige Füsse und trotzdem noch 3h Weg vor mir. Wieso nicht anhalten und eine Übernachtungstelle suchen. Doch egal wie schmerzhaft es ist, Aufgeben wäre noch viel schmerzhafter. Der Gedanke daran etwas nicht gemeister zu haben, was man sich eigentlich vor genommen hat, ist schon irgendwie schlimm. Und vorallem wirft es die ganze Planung aus dem Ruder.

Ist es also eine starke Leistung oder einfach nur dumm. Wie erkennt man seine Grenzen, wenn das Ziel darüber hinaus liegen kann. Und wenn man eigentlich noch genug Ausdauer hat, nur etwas beinträchtig ist. Und wie gesagt, wer will schon zugeben versagt zu haben. Und wer kann es eingestehen seine Grenzen erreicht zu haben.

Doch genau dies ist es, obwohl man von sich selber sagt, man muss niemanden etwas beweisen, muss man es eben irgendwie doch. Insgeheim will man in den Augen der Anderen nicht als Versager dargestellt werden. So schwappt man schnell über seine Grenzen und vergisst dabei Willen und Vernunft zu unterscheiden. Und dann passieren die Unfälle…

Oder sehe ich das falsch?

Ich muss aber sagen, dass ich jetzt nicht gelaufen bin, um dem anderen Fernwanderer zeigen, dass ich nicht so leicht aufgebe. Nein eigentlich gab es eigentlich keine bessere Lösung. Denn hätte ich aufgegeben, müsste ich am nächsten Tag trotzdem noch bis Sonthofen gehen. Da Sonthofen eine grössere Stadt ist, habe ich hier auch allerlei Möglichkeiten.

So ist es vielleicht grenzwertig, aber enorm praktisch. Und zusammen mit dem Anderen, nach dessen Namen ich irgendwie nie gefragt hatte (er aber auch nicht nach meinem), war die Last der Blasen schon fast zu etwas lustigem geworden. Und somit auch irgendwie nicht mehr so relevant, man beginnt sich dann eher Fragen zu stellen, wo setzte ich meinen nächsten Schritt hin, ohne irgendwie auszurutschen und wann wird wohl der nächste Brunnen kommen. Und ehrlich gesagt, war das Wetter und die Landschaft viel zu schön, um die ganze Zeit von drückenden Füssen abgelenkt zu sein.

Es ist im Nachhinein vieleicht dumm, Blasen zu haben, doch man kann glücklich sein, sein Tagesziel erreicht zu haben. Und wenn man einfach immer weitergeht, so gewöhnt man sich irgendwie daran. Und ich kann jetzt immernoch planen, ob ich am nächsten Tag vielleicht eine Pause einlege…

So freue ich mich wieder etwas zivilisierter zu leben und sich mit ganz anderen Problemen als den Blasen zu beschäftigen. Z.B. dass man keine Heringe in den Boden bekommt, da der Campingplatz echt beschissen ist. Ja guut, kann man nichts machen. Hoffentlich stürmt es nicht…

Mal sehen wie es morgen weiter geht, jetzt gibt es erstamals eine Portion Couscous mit Gemüse und Rührei.

Ciao!